Über Grenzgeschichten

Das Projekt

„Grenzgeschichten – crossing borders“ ist ein bundesweites Bildungsprojekt der Stiftung Zuhören und der Bayerischen Sparkassenstiftung. Schüler und Studenten erproben darin gemeinsam mit Profi-Journalisten, Künstlern, Filmemachern, Museumsexperten und Zeitzeugen das ortsbasierte, crossmediale Storytelling im Internet. Ihr Thema: Geschichten, die aus Ländergrenzen heraus entstehen. Es geht um die deutsch-deutsche Teilung, um spannende Biografien, um Konflikte zwischen Ländern, Ethnien und Religionen, um Vertreibung, Flucht und Zuflucht in Europa und überall auf der Welt. Aber auch Grenzen wie die zwischen arm und reich, öffentlich und privat werden thematisiert.

Die Jugendlichen veröffentlichen ihre Texte, Fotos, Videos und Audios selbst auf grenzgeschichten.net. Dabei nutzen sie die besondere Erzählstruktur des Storytellingportals: die Geschichten werden an ihren unterschiedlichen Schauplätzen erzählt und per Geocoordinaten auf der Landkarte verortet. Die Autoren und die Figuren, die in den Geschichten vorkommen, werden ebenfalls mit diesen Schauplätzen verbunden. So entsteht ein Beziehungsgeflecht aus Menschen, Orten und Geschichten. Mit dem Smartphone oder Tablet sind die Geschichten vor Ort, also direkt an ihren Schauplätzen, abrufbar.

„Grenzgeschichten“ ist außerdem ein Vernetzungsprojekt für Bildungseinrichtungen und kulturelle Initiativen. Die Schulprojekte werden mit zahlreichen Partnern durchgeführt wie Museen, Vereine und Förderpartner. Und mit den Stifterhäusern der Stiftung Zuhören, das sind die meisten ARD-Anstalten und Landesmedienanstalten. Diese schicken Rundfunkprofis als Mediencoaches an die Schulen und Universitäten, die die Jugendlichen bei der Projektarbeit anleiten und unterstützen.

 

Im Mai 2014 wurde grenzgeschichten.net gelauncht, im Juli 2014 war die Pilotphase in Bayern abgeschlossen, in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk und der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien. Das Konzept des Storytellingportals kam von der Map My Story GmbH. Seither entwickeln sich Portal und Projekt stetig weiter. In Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und in Tschechien werden Projektgruppen an Universitäten und Schulen aller weiterführender Schularten vorbereitet.

Wer Interesse hat, ein Grenzgeschichten-Projekt durchzuführen oder wer eigene Inhalte in grenzgeschichten.net veröffentlichen möchte, wendet sich bitte an Gundula Iblher unter: contact@grenzgeschichten.net

_MG_2883Warum tun wir das?

Gundula Iblher, Projektleiterin Stiftung Zuhören:

2013 ist der Schriftsteller und DDR-Dissident Reiner Kunze 80 Jahre alt geworden und der Whistleblower Edward Snowden hat Asyl ausgerechnet in Russland gefunden. Eine ehemalige NATO-Abhörstation an der bayerisch-tschechischen Grenze gehört einem Gastronom, während der BND amerikanischen Geheimdiensten die Daten von Millionen Bürgern zuspielt. Vor der Insel Lampedusa sind hunderte afrikanischer Flüchtlinge ertrunken, über facebook formieren sich junge Israelis und Palästinenser zu grenzüberschreitenden Mikro-Friedenseinheiten. Das sind nur ein paar Schlaglichter auf Grenzgeschichten im vergangenen Jahr, die, wenn man sie miteinander in Verbindung bringt, eine brisante Gemengelage ergeben.

Grenzen bestimmen die Politik, die Politik bestimmt das Leben

Was wird 2014 sein? Da feiert der Mauerfall sein 25. Jubiläum, Rumänien und Bulgarien erhalten die Freizügigkeit für Arbeitnehmer… Grenzen bestimmen die große Politik! Und die große Politik bestimmt das Leben im Kleinen. Manchmal wird das erst im Nachhinein so richtig sichtbar, manchmal muss man in die Zukunft blicken, um die Gegenwart politischer zu sehen. Deshalb wollen wir mit Jugendlichen Grenzgeschichten erzählen – deutschlandweit, weltweit. Und auch, weil neben kultureller Bildung und Zuhörförderung die Medienkompetenzvermittlung ein Ziel der Stiftung Zuhören ist. Wir schicken unsere Mediencoaches – Rundfunk- und Netzprofis – in Schulen. Dort bringen sie den Schülern die Grundlagen ihres Handwerks bei: mediale Erzählformen, Filmen, Schreiben, Schneiden, Aufnehmen.

Zuhören ist die Basis des Geschichten-Erzählens

Schüler und Coaches besuchen gemeinsam Zeitzeugen wie Reiner Kunze, recherchieren in Museen oder berichten aus dem bayerisch-tschechischen Grenzgebiet. Dabei setzen sie ein uralte, aber leider oft wenig beachtete Kulturtechnik ein: das Zuhören. Es ist die Basis für das Verstehen der Welt und ihrer Zusammenhänge. Es ist essentiell für die Faszination des Geschichtenerzählens. Nur wer anderen zuhört, kann auch selbst erzählen – am Lagerfeuer genauso wie im digitalen Raum.  

Hierin liegt noch ein Grund, warum wir #grenzgeschichten – crossing borders lieben: Unsere Stifter sind die meisten ARD-Medienanstalten und Landesmediananstalten und die Firma Sennheiser. Auf der Basis des Zuhörens, das Qualitätsbewusstsein der klassischen Medien mit den schnellen, visuell und subjektiv geprägten Erzählformen der Jugendlichen im Web zu verbinden – das verspricht spannend zu werden!

 

cc Stiftung Zuhören

cc Stiftung Zuhören

Dr. Ingo Krüger, geschäftsführender Vorstand der Bayerischen Sparkassenstiftung:

Grenzen bestimmen unsere Existenz mit dem Tag unserer Geburt. Unser irdisches Dasein strebt ab der ersten Lebensminute seiner Grenze entgegen. Mit vielen weiteren Grenzziehungen sind wir Tag für Tag konfrontiert. So bestimmen physische Parameter unseren Lebensraum. Normative Grenzen regeln unser Zusammenleben und politische Grenzen scheiden unterschiedliche Wirtschafts-und Gesellschaftssysteme bzw. Wertegemeinschaften. Nicht zuletzt erfahren wir tagtäglich die Grenzen unserer Erkenntnisfähigkeit. Während eine Biene sieht, was sie sieht, schaffen wir uns Bilder unserer Welt, die aber nur menschliche Interpretationen sind. Wir nehmen nicht unvoreingenommen wahr, sondern fragen stets nach dem Wie und Warum. Die Antworten, die wir darauf finden, sind aber zwangsläufig nur menschliche Deutungen.

Auch Sparkassen ist das Thema Grenzen keineswegs fremd. Ihr Geschäftsgebiet ist im Gegensatz zu anderen Kreditinstituten regional begrenzt und ihre ersten Kunden waren Menschen, die nahe dem Existenzminimum lebten und sich durch Sparen von dieser Grenze mit dem ihr verbundenen Armutsrisiko befreien konnten.

In allen Grenzen liegt etwas Positives

Grenzen zu überschreiten ist für Menschen eine ständige Herausforderung und ganz offensichtlich auch ein Bedürfnis. Dabei entwickeln wir viel Kreativität. So haben Menschen die innerdeutsche Grenze zum Beispiel mit Heißluftballons, Tunneln oder im doppelten Boden eines Kleinwagens überwunden. Andere bereiten sich heute schon auf eine Mars-Expedition vor. Für die Bayerische Sparkassenstiftung ist die Überwindung der Grenzen klassischer Kulturvermittlung stets eine starke Motivation gewesen. Gemeinsam mit unseren Förderpartnern suchen wir seit vielen Jahren nach neuen Konzepten bei der Vermittlung kultureller Inhalte. Dies reicht von einem onomatopoetischen Kabinett für Donald Duck über holographische Laserprojektionen bis hin zu diesem #grenzgeschichten-Projekt. Uns reizt die neue Form eines nicht-linearen Erzählens über das narrative Dreieck aus Orten, Personen und Geschichten. Denn hier zeigt sich nicht nur, dass jeder Mensch seine eigenen Grenzgeschichten hat, sondern dass diese auch in einer Gesamtsicht durchaus miteinander zusammenhängen.

Immanuel Kant behauptete, dass in allen Grenzen etwas Positives sei. Davon bin ich fest überzeugt. Ein irischer Segensspruch, den ich vor einiger Zeit las, lautete: „Mögen die Grenzen, an die du stößt, einen Weg für deine Träume offen lassen.“. In diesem Sinne freue ich mich auf das unendliche Grenzgeschichten-Universum, was nun entsteht und uns alle verbindet.

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