Uni Passau – tschechische Dichter im Prager Frühling

Ehepaar Kunze farbig

Das Ehepaar Kunze / Copyright: Toni Scholz

„Politisch bedingte Schicksale tschechischer Dichter zwischen 1948-1990“ lautet das Thema, das Studierende der Universität Passau gemeinsam mit Elisabeth und Reiner Kunze für „Grenzgeschichten“ erarbeiten. Dem Schriftsteller und seiner aus Südmähren stammenden Frau, die viele tschechische Dichter gekannt und übersetzt haben, ist es ein Anliegen, dass nicht vergessen wird, wie Menschen in totalitären Regimen deformiert, zerrieben und zerstört werden. „Ich halte dieses Thema für sehr aktuell“, sagte Reiner Kunze beim Projektauftakt zu den Studierenden, „denn totalitäre Ideologien sind immer noch lebendig und stehen in den Startlöchern, auf der extrem rechten wie linken Seite.“

Das Ehepaar Kunze, das 1977 aus der DDR ausgebürgert wurde, musste am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, vom Staat als Feind verfolgt und terrorisiert zu werden – und dass auch die Flucht auf die andere Seite des „Eisernen Vorhangs“ Erleichterung, aber keine Erlösung verschaffte. Denn der Arm der Stasi war lang, der BND verfolgte seine eigenen Ziele, und wer eine unbeugsam unabhängige Meinung vertrat, wurde auch in der BRD von rechts und links angegriffen.

Das garstige Lied der Politik

Der 1968 von den Panzern des Warschauer Pakts gewaltsam niedergeschlagene Aufstand in der Tschechoslowakei, der als „Prager Frühling“ in die Geschichtsbücher einging, wird das Brennglas sein, durch das die Studierenden der „Grenzgeschichten“-Projektgruppe das Schicksal tschechischer Dichter betrachten. Wer wie Ivan Blatný, frei nach Goethe, „das garstige Lied der Politik“ nicht singen wollte, kämpfte mit oder verschwand im Untergrund, wurde erpresst, gefoltert, inhaftiert, aus der Gesellschaft verbannt, ins Exil gezwungen, zum Verstummen gebracht oder gebrochen und zum „Parteifreund“ umgekrempelt.

Die Studierenden werden die Schicksale von Schriftstellern wie Ivan Blatný, Jan Skácel, Jan Zahradníček, Záviš Kalandra, Konstantin Biebl oder Bohuslav Reynek für grenzgeschichten.net erzählen. Als Zeitzeugen und Archivare steht ihnen das Ehepaar Kunze mit seiner Reiner und Elisabeth Kunze-Stiftung zur Seite. Wir freuen uns, damit das dritte Kooperationsprojekt durchführen zu können, denn mit der Kunze-Stiftung haben wir bereits 2014 zwei unserer Pilotprojekte und den Portal-Launch in guter Zusammenarbeit bestanden! (Mehr dazu siehe hier) Als Mediencoach unterstützt Johannes Brandrup von der Map My Story GmbH die Studierenden.

In Kooperation mit der Universität Passau / Didaktik der Geschichte und der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, die das Projekt im Rahmen des bayerisch-tschechischen Abkommens in kulturellen Fragen auch finanziell unterstützt. 

Mehr Beiträge zum Projekt hier

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