Ingolstadt – Lebensgeschichten Vertriebener

Vertraute Fremde. Neue Nachbarn für Ingolstadt

Alte Karte Besatzungs-ZonenFrühjahr 1945: 3 Millionen Sudetendeutsche werden nach Kriegsende aus der Tschechoslowakei ausgewiesen – teils gewaltsam, teils human. Insgesamt mussten 12 Millionen Menschen aus den Ostgebieten jenseits der Oder-Neisse-Linie ihre Heimat verlassen. Unter ihnen sind Flüchtlinge, die vor den Racheakten der Opfer der national-sozialistischen Gräueltaten flohen, und Heimatvertriebene, die nach Kriegsende diese Gebiete verlassen mussten. Was folgte, war eine beispiellose Umsiedlung in die westdeutschen Territorien. Allein Bayern nahm annähernd 2 Millionen Vertriebene auf, was einem Anteil von über 20 Prozent an der einheimischen Bevölkerung entsprach.

Auch Ingolstadt wurde stark von den Flüchtlingen und Vertriebenen geprägt, die hier Zuflucht und schließlich eine neue Heimat fanden. In der Flandernkaserne im Herzen der Stadt waren 1.000 Flüchtlinge untergebracht, heute befindet sich darin unsere Schule, die Staatliche Fach- und Berufsoberschule. Meine Schüler und ich versuchten nachvollziehbar zu machen, wie sich damals auf engstem Raum wildfremde Menschen verschiedener Herkunft und kultureller Prägung gegenüberstanden, woraus sich harte Konflikte aber auch Solidarität und Miteinander entwickelten. In einem Klassenzimmer haben wir nachgestellt, wie viel Platz jeder Flüchtling für sich in der Flandernkaserne hatte.

Flandernkaserne nachgestelltDie Beschäftigung mit dem Thema „Vertraute Fremde“ begann im vergangenen Schuljahr, entstanden ist eine Ausstellung mit Ausstellungskatalog, für die wir einen Preis erhielten. Auch in diesem Schuljahr habe ich mit einer 13. Klasse weiter geforscht, Zeitzeugeninterviews geführt, Experten getroffen, Orte besichtigt. Unterstützt wurden wir von der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz mit „denkmal aktiv“. Wir freuen uns sehr darauf, im März den nächsten Schritt zu gehen und im Rahmen von „Grenzgeschichten“ gemeinsam mit einem Rundfunkprofi aus unseren Recherchen und Erfahrungen ortsbasierte Storytellings zu entwickeln!

Marion Büchl, FOS/BOS Ingolstadt

 

Alle aktuellen Beiträge zu dem Projekt finden Sie unter
Ingolstadt

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