Cham – ehemalige NATO-Abhöranlage Hoher Bogen

Hoher Bogen_MATTHIASHN
Fernmeldesektor F Hoher Bogen © CC BY-NC-ND matthiashn

Überwachung gestern und heute

Mit einer Exkursion zum „Fernmeldesektor F“ am Hohen Bogen, eine ehemalige NATO-Abhöranlage an der bayerisch-tschechischen Grenze, startet am 22. Februar die Projektgruppe des Robert-Schuman-Gymnasiums Cham. Im Rahmen von Grenzgeschichten werden die Schüler Überwachung selbst erleben, recherchieren und praktizieren. Im Fokus steht die Überwachung zu Zeiten des Kalten Krieges und der Wissenstand seit den Enthüllungen von Edward Snowden, die klarmachen: Wir stehen heute alle unter Beobachtung und werden damit so behandelt, als ob wir verdächtig wären. Angeleitet und unterstützt werden die Schüler von ihrem Lehrer Stefan Amberger und den Mediencoaches des Bayerischen Rundfunks Lukas Hellbrügge und Christian Lösch.

Mit freundlicher Unterstützung der Sparkasse im Landkreis Cham

Teufelsberg_Towers cc Parinpants

„In Gott vertrauen wir, alle anderen hören wir ab“

An diesen Spruch erinnert sich Christopher McLarren, ehem. US-Army Geheimdienstmitarbeiter, der in der Abhöranlage auf dem Berliner Teufelsberg arbeitete. Zu sehen ist er in der interessanten Dokumentation „Die Geschichte der Überwachung in der BRD“, die auf 3sat ausgestrahlt wurde. Der Film eignet sich bestens zur Vorbereitung des Workshops am Hohen Bogen, geht es darin doch um die Kontinuität der geheimdienstlichen und staatlichen Überwachung vom Kalten Krieg bis heute. Eine erhellende, aber deprimierende Zeitreise, auf die sich auch die Schüler der Grenzgeschichten-Gruppe am Robert-Schuman-Gymnasium begeben werden. Zu sehen ist er hier: Land unter Kontrolle

Los geht’s in Cham!

Auftakt mit einer sehr motivierten Projektgruppe! Mit einer regen Diskussion über das Ausmaß der Überwachung begann das erste Pilotprojekt von #grenzgeschichten in Cham. Nach einem anschaulichen kurzem Animationsfilm und einer interaktiven Karte machten die SchülerInnen sich Gedanken über die Verknüpfung ihrer WhatsApp Daten mit Facebook und überlegten, ob ihr Oberpfälzer Dialekt zumindest ein erster Ansatz der Verschlüsselung sei.

Die journalistischen Grundlagen sind vermittelt und die ersten „Trockenübungen“ durchlaufen. Auf dem ehemaligen NATO Horchposten und im Museum des Traditionsvereins Hohenbogenkaserne wird morgen gefilmt, fotografiert und interviewt.

Überwachung als „vornehmes Radiohören“

Auf der Plattform des ehemaligen NATO-Abhörturms am Hohen Bogen lichtet sich bei unserem Besuch der Nebel. Nach einem Blick von 1.100 Metern über dem Meeresspiegel Richtung Tschechien rutschen die 16 SchülerInnen des P-Seminars „Grenzgeschichten“ per Notfallrutsche acht Stockwerke hinunter in den kalten Fuß des Turmes. Während des Kalten Krieges kamen die damals hier arbeitenden Horchfunker und Techniker allerdings eher ins Schwitzen, da die riesigen elektrischen Abhörapparate eine große Hitze entwickelten. Im Keller ist noch heute die große Kühlanlage zu besichtigen. Hier wird deutlich, wie viel Energie für den Kalten Krieg verbraucht wurde…

Die Apparate des Horchpostens sind inzwischen demontiert, aber wir können sie einige Kilometer entfernt in der ehemaligen Hohenbogen-Kaserne in Bad Kötzting ansehen. Mit viel Hingabe hat der Cheftechniker a. D., Franz Treml, mit seinem Traditionsverein Hohenbogen-Kaserne einen umfangreichen Museumsbereich aufgebaut, mit unzähligen noch blinkenden und piepsenden Apparaten, die bis zur Wiedervereinigung Deutschlands und dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes rund um die Uhr zur „Aufklärung“ über den „Gegner“ im Einsatz waren. Als „vornehmes Radiohören“ bezeichnen die ehemaligen Aufklärungssoldaten ihre damalige Tätigkeit.

Unsere Exkursion in die Geschichte macht deutlich, dass der Ost-West-Konflikt eine umfangreiche Grundlage im Bereich der Überwachung geschaffen hat. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde dieses Wissen nicht ab- sondern weiter aufgerüstet und auf neue Ziele gerichtet. Mit dem permanent aufgebauten Bedrohungsszenario des Terrorismus hat die Überwachung schließlich ihre aktuelle Dimension erreicht, in der alles erfasst und jede „Abweichnung vom Normverhalten“ registriert wird. Dazu kommt die Datensammelwut von kommerziellen Onlinediensten. Die Schüler (für die das „Internet“ größtenteils facebook ist) werden sich die nächsten Wochen damit beschäftigen, wo sie heutzutage welche Daten hinterlassen, wer darauf mit welchen Interessen Zugriff hat und welche Maßnahmen überhaupt noch zu empfehlen sind, um sich dagegen zu schützen.

https://securityinabox.org/en

Mit bestem Dank an den Traditionsverein Hohebogen-Kaserne und den Verein sektor f für die inhaltliche Kooperation sowie der Sparkasse im Landkreis Cham für die finanzielle Unterstützung!

Alle aktuellen Beiträge zu dem Projekt finden Sie unter
Cham

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