Neutraubling: Identitätsgeschichte einer Zuwanderungsstadt

In diesem Jahr feiert Neutraubling ein zweifaches Jubiläum. Zum einen 70 Jahre Gemeindegründung, zum anderen 30 Jahre Ernennung zur Stadt. Die Identitätsgeschichte dieser jungen Industriestadt vor den Toren Regensburgs und an der Grenze zu Tschechien wird der Untersuchungsgegenstand von Gymnasiasten und Studierenden sein.

25 Schüler mit rund 20 unterschiedlichen Nationalitäten in den Familienstammbäumen –  das ist eine Bilanz, die die 8. Klasse des Gymnasiums Neutraubling selbst überrascht hat. Denn so divers die kulturellen Wurzeln und Familiengeschichten der Jugendlichen auch sind, so normal sind sie doch für eine Stadt wie Neutraubling, deren Geschichte erst nach 1945 mit Flucht und Vertreibung der Sudentendeutschen so richtig beginnt. Und die seither durch weitere Zuwanderung wohlhabend geworden ist.

Im „Grenzgeschichten“-Projekt stellen sich die Gymnasiasten gemeinsam mit Studierenden der Universität Regensburg Fragen nach der Identitätsgeschichte Neutraublings. Die meisten von ihnen reflektieren dabei zum ersten Mal, wie ihre Familiengeschichte mit dem Wachsen und Werden der Stadt zusammenhängt. Dabei wird es spannend sein zu untersuchen, inwieweit die Narrationen aus der „Aufbaugemeinschaft“ der Nachkriegszeit auch die Geschichten der neu Hinzugezogenen seit dem Zerfall des Ostblocks ab 1991 prägen. Und wie das Verhältnis zum Grenzland Tschechien heute aussieht.

Zu diesem Thema sprechen die Jugendlichen mit Vertretern der Vertriebenengeneration und befragen ihre Eltern und Großeltern. Sie besuchen das Stadtmuseum, machen einen historischen Stadtrundgang mit Dr. Elisabeth Fendl vom Institut für Volkskunde der Deutschen des östlichen Europa und interviewen Experten aus dem Rathaus. Der BR-Journalist Marcel Kehrer, der Medienpädagoge Lasse Häusgen und der Geschichtslehrer und Didaktikdozent Dr. Jochen Kirchhoff helfen ihnen dabei, aus dem gewonnenen Audio- und Videomaterial Storytellings für grenzgeschichten.net zu entwickeln.

Die Studierenden der Geschichtsdidaktik an der Universität Regensburg erhalten außerdem den Auftrag, sich mit dem Konstruktcharakter von Geschichte zu beschäftigen. Denn das Produzieren der crossmedialen Stories macht greifbar, dass Geschichte(n) gemacht werden. Ihre Forschungsaufgabe besteht darin, dies auch empirisch zu untersuchen. Welchen Einfluss hat das HistoryTelling auf das Geschichtsbewusstsein der Schülerinnen und Schüler?

Wir danken unseren Projekt- und Förderpartnern:

Der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, der Stadt Neutraubling, der Sparkasse Regensburg, dem Institut für Volkskunde der Deutschen des östlichen Europa (IVDE), der Abteilung Geschichtsdidaktik der Universität Regensburg und dem Gymnasium Neutraubling.

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