Cottbus – Menschenrechte im Grenzbereich

„Jeder Mensch hat das Recht, jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu verlassen sowie in sein Land zurückzukehren.“

 Artikel 13 der Uno-Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte.
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Copyright: Menschenrechtszentrum Cottbus

Die DDR war 1973 der UNO beigetreten. Die Republik zu verlassen, hätte demnach auch in der DDR als Allgemeines Menschenrecht möglich sein müssen. Doch dass die Stasi nach ihren eigenen Gesetzen arbeitete, musste beispielsweise Siegmar Faust bitter erfahren. Als sein Ausreiseantrag mehrfach abgelehnt wurde, protestierte er mit einer Unterschriftensammlung unter Berufung auf Artikel 13. Für die Stasi galt dies als „staatsfeindliche Hetze“, die mit viereinhalb Jahren Freiheitsentzug bestraft wurde. Siegmar Faust saß zweieinhalb Jahre im Zuchthaus Cottbus ein, davon unvorstellbare 401 Tage in Keller-Einzelhaft. Dann verordnete Erich Honecker persönlich seine vorzeitige Entlassung.

Im Projekt „Menschenrechte im Grenzbereich“ erfahren 8. bis 11. Klässler des Evangelischen Gymnasiums Cottbus von den Schicksalen ehemaliger politischer Gefangener. Sie sprechen mit Siegmar Faust und anderen Zeitzeugen, setzen sich mit den Haftbedingungen im größten politischen Zuchthaus der DDR auseinander und reflektieren die Menschenrechte in Diktatur und Demokratie. Aus Ortsbegehungen, Archivmaterialien, aus ihren Gedanken und Fantasien entwickeln sie ein crossmediales Storytelling für grenzgeschichten.net und leisten damit einen Beitrag gegen das Vergessen und für die Menschenrechte.

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Copyright: Menschenrechtszentrum Cottbus e.V.

Doch wie ging es weiter mit Siegmar Faust? Nach seiner Freilassung lebte er als Schriftsteller und Journalist in der Bundesrepublik Deutschland. Er, zahlreiche andere politische Häftlinge und viele weitere Unterstützer gehören dem Verein an, der im Mai 2011 das ehemalige Gefängnis kaufte, um es in eine Gedenkstätte umzuwandeln. Das „Menschenrechtszentrum Cottbus e.V“. ist Eigentümer und Betreiber der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus, einem besonderen authentischen Tagungs- und Begegnungsort sowie Veranstalter vieler schulischer und außerschulischer Projekte.

Wir freuen uns, im Januar 2017 mit „Grenzgeschichten“ Teil dieses pädagogischen Angebots zu werden! Betreut wird es von Johannes Näder, Bildungsreferent des Menschenrechtszentrums und Erik Schiesko, freier Filmemacher und Produzent sowie Rupert Jaud, Tontechniker des Bayerischen Rundfunks.

Weitere Beiträge befinden sich hier.

Ein Projekt in Kooperation mit dem Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Gymnasium Cottbus. 

Gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

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