Wenn Objekte ihre Geschichte erzählen – Workshop zum Böhmerwaldmuseum in Passau

„Objekte sprechen lassen“ hatten wir den Workshop genannt, in dem Passauer Studierende multimediale Geschichten zu den Ausstellungsstücken des Passauer Böhmerwaldmuseums entwickeln sollten. Das Multimediaseminar, das in der ersten Mai Hälfte stattfand, war bereits die dritte Kooperation des „Begegnungsraums Geschichte“ mit den Grenzgeschichten.

Geschichten aus dem Böhmerwald

Die Objekte im Passauer Böhmerwaldmuseum erzählen viele Geschichten. Vom Böhmerwald selbst und vom Alltag und den Traditionen seiner Bewohner. Von Künstlern, Fabrikanten, Handwerkern. Aber welches sind die Geschichten, die junge Menschen heute an den Ausstellungsstücken interessieren? Welche Erzählungen finden sie spannend, um den Objekten hinter Glas Leben einzuhauchen? Was und wie wollen sie erzählen, um der wechselvollen Geschichte einer Grenzregion auf die Spur zu kommen?

Wir gingen also von den ganz individuellen Interessen der Studierenden an den Objekte des Museums aus: Was erzählt z.B. eine strahlende Brautkrone aus dem 19. Jahrhundert – eine der Hauptattraktionen im Passauer Böhmerwaldmuseum – jungen Frauen heute? Welche Geschichte steckt hinter einem Miniaturkoran in einer der Vitrinen? Und könnten wir uns heute eine Wiederbelebung des Hörlitzer Passionsspiels vorstellen, wie es im ausgestellten Regiebuch überliefert ist?

Überraschende Wahl

Frei in der Wahl der Objekte, denen sie eine Stimme gegeben wollte, überraschten die Studierenden uns Dozenten und Coachs gleich zu Beginn. Nicht die strahlende Brautkrone oder das opulente Regiebuch wurden als Protagonisten der Geschichten ausgewählt. Sondern ein kleiner, zarter fast unscheinbarer Ring, mit der eine tragische Liebe des Dichters Adalbert Stifter erzählt werden konnten. Oder auch Stifters Totenmaske, von der ausgehend zwei Studierende skurril-tragische Episoden aus dem Zusammenleben von Stifter und seiner Ehefrau in Szene setzten. Eine Holztruhe wurde zur Hauptfigur der dritten Geschichte, in der von Flucht und Vertreibung aus dem Böhmerwald erzählt wird. Dahinter immer die Frage danach, was Heimat überhaupt sein kann. Und schließlich eröffnete ein Brillengestell einen ganz besonderen Blick auf die Historie der Optischen Werke Passau. Auch hier entfaltete sich eine Geschichte über Heimatverlust und Neuanfang.

Es sind vielfältige, in den Mitteln sehr unterschiedliche Geschichten entstanden. Vor allem aber war die Mischung aus inhaltlicher Auseinandersetzung und Medienpraxis ein weiteres Mal fordernd, inspirierend und lehrreich für alle Beteiligten.

 

Der Workshop fand im Rahmen des großangelegten INTERREG EU-Projekts der Universitäten Passau (Geschichtsdidaktik) und Budweis (Historisches Institut) statt: „Begegnungsraum Geschichte“. Er wurde gefördert aus den Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration.