Auf den Spuren eines verschwundenen Dorfes

Studierende der Uni Passau und der südböhmischen Uni Budweis haben sich im April 2018 zusammengefunden und sind den Spuren des verschwundenen Dorfs Grafenried bei Waldmünchen gefolgt. Gelegen an der deutsch-tschechischen Grenze, einst durch die Folgen der Zwangsaussiedlung von der Landkarte verschwunden, ist Grafenried jetzt Reservoire für deutsch-tschechische Erinnerungen und Geschichte. Im Rahmen eines von der EU geförderten Projektes wird hier ein Lehrpfad entstehen, um den für die gemeinsame Geschichte symbolischen Ort dauerhaft zugänglich und erlebbar zu machen. Welche Schicksale und Erfahrungen sich mit Grafenried verbinden, ist aber schon jetzt in den drei Grenzgeschichten zu sehen und hören, die im Workshop mit der tatkräftigen Unterstützung von Zeitzeugen entstanden sind: grenzgeschichten.net

Da erzählt zum Beispiel das Gnadenbild der Schönen Maria vom Schicksal seiner Kirche in Grafenried. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erbaut, aber 1957 trotz Denkmalschutz gesprengt, wurden die Reste des Gotteshauses 2011 wieder ausgegraben. Ein Jahr später wurde dort wieder ein deutsch-tschechischer Gottesdienst gefeiert. Und das Madonnenbild war dabei.

In einer weiteren Geschichte berichtet Wenzel Wiesner, der von 1909 bis 1925 als Braumeister in Grafenried lebte, von seinen Erinnerungen an das Dorf. Mit der Kamera sind die Studierenden auf seinen Spuren durch die Ruinen gewandelt.

Von den Grenzerfahrungen und Begegnungen deutscher und tschechischer Grenzbeamter am Eisernen Vorhang, der zur Grünen Grenze wurde, erzählt eine dritte Geschichte. Vor allem der Film mit Karlheinz Schröpfer und Jan Riederer und ihrem Handschlag vor laufender Kamera bewegt den Zuschauer.

Und schließlich spielt in der vierten Geschichte die Puppenküchenküche der Zeitzeugin Anna Marie Babl eine wichtige Rolle. Es ist eine Geschichte über Dinge, die mehr sind als materielle Objekte. Gegenstände, die zum Leben gehören und die man nicht so einfach zurück lassen möchte.

Zeitzeugeninterviews, dokumentarische Filme, poetische Texte und visuelle Spezialeffekte: Die Studierenden haben in den vier neuen Geschichten viel ausprobiert und die Möglichkeiten des multimedialen Storytellings erkundet. Nicht zuletzt durch die professionelle Ausstattung im Zentrum für Medien und Kommunikation an der Universität Passau eine intensive, inspirierende und erfahrungsreiche Übung.

Der Workshop fand im Rahmen des großangelegten INTERREG EU-Projekts der Universitäten Passau (Geschichtsdidaktik) und Budweis (Historisches Institut) statt:„Begegnungsraum Geschichte“. Er wurde gefördert aus den Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration.

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