Gedichte und Green Screen

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CC Stiftung Zuhören

Das Grenzgeschichten Seminar in der Universität Passau zeichnete sich nicht nur durch hochmotivierte und leistungsfähige Studenten aus, sondern auch durch hervorragende technische Voraussetzungen. Das hat echt Spaß gemacht. Eine Woche lang stand uns ein professionelles TV-Studio samt Fachpersonal zur Verfügung, um die spannenden Ideen der Teilnehmer umzusetzen.

Der Schriftsteller Reiner Kunze hatte ein Thema vorgeschlagen, das ihm selbst am Herzen lag und die Neugier der Studenten weckte: Die Schicksale von drei Dichtern, die er hoch geschätzt und teilweise auch persönlich gekannt hatte: Jan Skácel, Konstantin Biebl und Ivan Blatný, die alle drei vom damaligen kommunistischen Regime in der Tschechoslowakei drangsaliert worden waren.

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Die Studenten, angehende Historiker, Jourmalisten und
Medienwissenschaftler, besuchten ihren Zeitzeugen in der Reiner und Elisabeth Kunze Stiftung, um seine Frau und ihn über die damalige Zeit zu befragen. Sie erhielten wertvolles Archivmaterial wie Briefe, Zeitungsartikel, Fotos und bald entstand die Idee, nicht nur die Lebensgeschichten der Dichter zu erzählen, sondern auch einige ausgewählte Gedichte aus ihrem Werk zu „verfilmen“.

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So kam Reiner Kunze zwei Tage später zu einem Gegenbesuch in das ZMK (Zentrum für Medien und Kommunikation) der Uni Passau, setzte sich vor die Green Screen und las eigene Übersetzungen der Lyrik seiner verstorbenen Kollegen sowie Gedichte, die er selbst als poetische Antworten darauf oder etwa zum Begräbnis eines Dichterfreundes geschrieben hatte. Für jedes dieser Gedichte suchten die Studenten passende Bilder oder filmische Umsetzungen und bewiesen dabei viel Feingefühl.

Grenzgeschichten Gruppenfoto

Die Projektgruppe an der Uni Passau. cc Stiftung Zuhören

Mir persönlich war es eine große Freude zu sehen, wie mühelos hier die Kunst des Wortes die Brücke zwischen Generationen und verschiedenen Zeitepochen schlagen konnte. Auch dank der akribischen und historisch wissenschaftlich fundierten Recherche der Teilnehmer unter der Leitung Prof. Andreas Michlers und seinen beiden Mitarbeiterinnen, Dorothee Ahlers und Diana Stock-Megies, gelang es uns, die damalige Zeit mit all ihren Schrecken, Ängsten, Hoffnungen und Sehnsüchten wieder aufleben zu lassen. So wurde uns auch das ganze Ausmaß der Tragik bewusst, die das Leben und Werk dieser Männer zeichnete. Wir verneigen uns vor ihrer Kunst und ihrem Schmerz. Es leben die Dichter!

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