Arbeitnehmerfreizügigkeit: „Zuzugsschwemme“ blieb aus

Das Schlagwort des Facharbeitermangels fällt dieser Tage an allen Orten. Die Unternehmen befürchten mit Blick auf die kommenden, geburtsschwachen Jahrgänge ein Fehlen von gut qualifizierten und engagierten Mitarbeitern. Für sie ist die Arbeitnehmerfreizügigkeit ein Segen. Und dennoch bleiben die skeptischen und kritischen Blicke auf Rumänen und Bulgaren, machen die Wörter „Problemhaus“ und „Sozialeinwanderer“ die Runde.

Nach knapp vier Monaten allerdings sind die Anzeichen für eine „Sozialeinwanderung“ so nicht gegeben. Dass Städte wie Duisburg und Dortmund nicht gerade attraktiv für gut ausgebildete Facharbeiter aus Rumänien oder Bulgarien sind, bestreitet Armutsforscher Professor Christoph Butterwege keinesfalls. Jedoch befindet er im Interview mit der WAZ: „Anziehend wirkt nicht die Armut, sondern der Umstand, dass Familienmitglieder, Freunde oder Landsleute schon dort sind. (…) Man sollte jedoch weniger die Probleme sehen, welche Migranten machen, als jene Probleme, die sie haben.“ Zudem sei von einer Einwanderungswelle gar nicht zu reden: „2013 sind unter dem Strich 75 000 Bulgaren und Rumänen nach Deutschland gekommen, bei über 80 Millionen Einwohnern insgesamt sind das nur wenige Personen. Von einer Ausplünderung deutscher Sozialkassen kann man nicht sprechen, wenn gerade mal zehn Prozent davon Hartz IV erhalten, in den meisten Fällen als sogenannte Aufstocker, also wegen zu niedriger Löhne.“ Butterweges Erkenntnisse kann die Landesarbeitsagentur NRW nur bestätigen. Deren Sprecher Werner Marquis hat zwar einen Anstieg festgestellt. Aber dieser sei längst nicht so stark wie man ihn erwartet habe. Bei den Arbeitsämtern mache sich die Freizügigkeit bisher kaum bemerkbar.

Unbestreitbar: Es kommen mehr Menschen. So stellte Duisburg fest, dass mit Stand vom 1. Februar 2014 10.770 Menschen mit rumänischer und bulgarischer Staatsbürgerschaft gemeldet waren. Setzt sich dieser Trend bis Ende 2014 fort, sind es rund 15 000 Zuwanderer allein in Duisburg. Deren Probleme seien erst mal: Fehlende Deutschkenntnisse, fehlende Krankenversicherungen. Und: so schlecht bezahlte Arbeitsstellen, dass sie in der Regel bei der ARGE aufstocken müssen, so eine Auswertung der Bundesagentur für Arbeit. Deren Zahlen beziehen sich auf den Juni 2013. Rund 27.000 Rumänen und Bulgaren bezogen zu dem Zeitpunkt Hartz IV. Knapp 36 Prozent von ihnen waren erwerbstätig. Von allen insgesamt 4,45 Millionen erwerbsfähigen Arbeitslosengeld-II-Empfängern mussten zum selben Zeitpunkt knapp 30 Prozent ihren geringen Verdienst mit Hartz IV aufstocken.

Von einer Einwanderungswelle, wie unter anderem von der CSU befürchtet, kann aber nicht die Rede sein. Nicht in NRW und auch nicht in Kreisen wie Dillingen in Bayern: Rosemarie Kramer, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Donauwörth, sieht es dahingehend gelassen: „Wir sehen keine Flut auf uns zukommen“. Dass es sich bei den Rumänen und Bulgaren um „Sozialflüchtlinge“ handle, darauf gibt es laut Kramer keine Hinweise. Ihre Prognose sieht so aus: „Momentan gibt es im Landkreis Dillingen keine Auffälligkeiten. Eine gewisse Steigerung wird aber wohl zu spüren sein.“


Die Einwanderungswelle bleibt aus – weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/dillingen/Die-Einwanderungswelle-bleibt-aus-id29486786.html

Die Einwanderungswelle bleibt aus – weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/dillingen/Die-Einwanderungswelle-bleibt-aus-id29486786.html

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