Zwischen den Grenzen zuhause

Das Schulgebäude der Staatlichen FOS/BOS in Ingolstadt hat eine „kriegerische“ Vergangenheit: Der Bauplan wurde 1860 entworfen – für ein Kriegsspital. Genutzt wurde der riesige Komplex aber auch als Kaserne. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die „Flandernkaserne“ in ein Auffanglager umfunktioniert. Bis zu 1300 Vertriebene und Flüchtlinge mussten sich in den heutigen Klassenzimmern Schlafplätze teilen. Einige von diesen damals unerwünschten Neuankömmlingen leben noch heute in Ingolstadt. Sie sind Zeitzeugen, die Begriffen wie „Sudetendeutsche“ und „Donauschwaben“ aus dem Geschichtsunterricht eine Stimme und ein Gesicht gegeben haben.

Zu diesem Thema haben die Schülerinnen und Schüler mit ihrer Lehrerin Marion Büchl nicht etwa trockene Texte gelesen. Sie haben ein Aufnahmegerät bekommen und sind zum Teil schon voriges Jahr zu Tante Frida, Onkel Konrad und den Peichls gegangen.

cc Stiftung Zuhören

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Da erklärt eine heute bald 80-Jährige, dass die Deutschen vor hunderten von Jahren die Gebiete im heutigen Tschechien oder in Polen besiedelt hatten – sogar auf Anweisung. Es sind Dörfer gewachsen, wie deutsche Inseln. Auch in Ungarn und dem damaligen Jugoslawien. Ja und dann, nach dem Zweiten Weltkrieg, hätten eben alle einen Hass auf die Deutschen gehabt. Sie sollten raus, mussten Angst haben. Meist klingelte es an der Tür und dann mussten sie innerhalb von 10 Minuten packen und abreisen. Ins Ungewisse. Nach Deutschland.

Eine Heimat war das nicht: Alles zerstört, die einheimische Bevölkerung hatte selbst kaum etwas. Und dann kam auch noch die Masse der Vertriebenen. Die Masse derer, die zwischen den Grenzen ihr Zuhause hatte und doch nirgendwo mehr: in Tschechien oder Ungarn waren sie unerwünschte Deutsche. Und in Deutschland wurden sie wie Ausländer empfunden.

Wie das alles war und wie es dann in Ingolstadt weiterging, haben die Zeitzeugen in meist einstündigen Interviews erzählt. – Die Ausgangsbasis für den Workshop!

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