Überwachung als „vornehmes Radiohören“

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Abhörturm im Nebel © Stiftung Zuhören

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Making-of-Reporterin Lena © Stiftung Zuhören

Auf der Plattform des ehemaligen NATO-Abhörturms am Hohen Bogen lichtet sich bei unserem Besuch der Nebel. Nach einem Blick von 1.100 Metern über dem Meeresspiegel Richtung Tschechien rutschen die 16 SchülerInnen des P-Seminars #Grenzgeschichten per Notfallrutsche acht Stockwerke hinunter in den kalten Fuß des Turmes. Während des Kalten Krieges kamen die damals hier arbeitenden Horchfunker und Techniker allerdings eher ins Schwitzen, da die riesigen elektrischen Abhörapparate eine große Hitze entwickelten. Im Keller ist noch heute die große Kühlanlage zu besichtigen. Hier wird deutlich, wie viel Energie für den Kalten Krieg verbraucht wurde…

Die Apparate des Horchpostens sind inzwischen demontiert, aber wir können sie einige Kilometer entfernt in der ehemaligen Hohenbogen-Kaserne in Bad Kötzting ansehen. Mit viel Hingabe hat der Cheftechniker a. D., Franz Treml, mit seinem Traditionsverein Hohenbogen-Kaserne einen umfangreichen Museumsbereich aufgebaut, mit unzähligen noch blinkenden und piepsenden Apparaten, die bis zur Wiedervereinigung Deutschlands und dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes rund um die Uhr zur „Aufklärung“ über den „Gegner“ im Einsatz waren. Als „vornehmes Radiohören“ bezeichnen die ehemaligen Aufklärungssoldaten ihre damalige Tätigkeit.

Unsere Exkursion in die Geschichte macht deutlich, dass der Ost-West-Konflikt eine umfangreiche Grundlage im Bereich der Überwachung geschaffen hat. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde dieses Wissen nicht ab- sondern weiter aufgerüstet und auf neue Ziele gerichtet. Mit dem permanent aufgebauten Bedrohungsszenario des Terrorismus hat die Überwachung schließlich ihre aktuelle Dimension erreicht, in der alles erfasst und jede „Abweichnung vom Normverhalten“ registriert wird. Dazu kommt die Datensammelwut von kommerziellen Onlinediensten. Die Schüler (für die das „Internet“ größtenteils facebook ist) werden sich die nächsten Wochen damit beschäftigen, wo sie heutzutage welche Daten hinterlassen, wer darauf mit welchen Interessen Zugriff hat und welche Maßnahmen überhaupt noch zu empfehlen sind, um sich dagegen zu schützen.

Im Rahmen der Exkursion sammelten wir übrigens eine ganze Menge Material – viele Minuten Film- und Audioaufnahmen sowie hunderte Fotos sind zusammen gekommen – diese werden nun in den kommenden Wochen gesichtet und nachbearbeitet. Insbesondere die Kälte machte die Produktion vor Ort schwierig: Schnell waren die Akkus leer und mussten notdürftig mit den Händen aufgewärmt werden, bevor sie wieder für kurze Zeit Energie liefern konnten.

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Einst war die Anlage streng gesichert © Stiftung Zuhören

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