NSA und Stasi: Zwei verschiedene Sachlagen?

Eine Pinnwand auf der Bilder und Dokumente über die Stasi zu sehen sind.

Photograf: URBAN ARTefakte – Lizenz: Creative Commons

Seit dem 05. Juni 2013 weiß die Öffentlichkeit, dass die Post-Privacy-Gesellschaft Realität ist. Es gibt keine Geheimnisse mehr, wenn es um das Internet geht. Vermutlich auch nicht, wenn es um den Teil des Lebens geht, den wir analog auf der Straße, in der Stadt oder bei Freunden verbringen. Denn seit der Guardian an diesem Datum die Dokumente von Edward Snowden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat, kann man nicht ausschließen, dass Telefonate von der NSA mitgehört, Mails mitgelesen, sämtliche Internetaktivitäten gespeichert, gesammelt und ausgewertet werden. In der Debatte um die NSA ist rasch der Vergleich mit der Stasi zur Hand. Denn beide Systeme scheinen sich zu ähneln: Sie überwachen, sammeln Daten und sie werten sie aus.

Die NSA-Affäre und die Stasi allerdings, betonte Joachim Gauck letztes Jahr im Interview mit der Passauer Presse, seien zwei verschiedene Dinge: „Die Stasi hat, wie jeder Geheimdienst in einer Diktatur, Krieg gegen das eigene Volk geführt. Sie hat Bürger bespitzelt, um die gewonnenen Erkenntnisse gegen die Bürger zu verwenden, um sie einzuschüchtern und zu unterdrücken, ihnen Freiheit und Bürgerrechte zu rauben und sie so in dauernder Ohnmacht zu halten. Darum geht es in dem aktuellen Fall nicht.“ Gauck betont, dass das, was die NSA tue, viel fundamentaler sei. Die NSA schaffe „eine Gefahr für die Demokratie innerhalb der Demokratie. Wenn man seiner eigenen Demokratie keine Aufmerksamkeit zuwendet, kann man Defizite oder gar Verluste an Rechtsstaatlichkeit übersehen“, so der Bundespräsident weiter.

So wie Gauck einen Vergleich zwischen Stasi und NSA nicht ziehen mag, so mag dies auch der Schriftsteller Reiner Kunze nicht tun. Er und seine Frau Elisabeth waren Staatsfeinde in der DDR, weil sie die Schönheit, Wahrhaftigkeit und Freiheit der Kunst verteidigten. Ab dem 03. März werden Schüler und Schülerinnen ihn und seine Frau in Passau besuchen, werden Einblicke in sein Archiv nehmen und Fragen stellen. Dabei werden sicherlich auch Fragen nach der Stasi gestellt werden. Wie sich das Leben verändert, wenn man genau weiß, dass man unter permamenter Überwachung steht – davon kann Reiner Kunze sehr genau erzählen.

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